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Die Dozenten

Bevor man mit dem Studium beginnt, hat man wahrscheinlich schon ein paar Vorstellungen darüber, wie das Studium sein wird. Ich hatte zumindest welche. Man stellt sich vor, wie es ist, seine Tage auf dem Campus zu verbringen und zu lernen. Vielleicht fragt man sich auch, wie die Vorlesungen und Seminare wohl sind. Und dann denkt man wahrscheinlich auch an die Dozenten, die einen während dem Unterricht begleiten und lehren sollen.

Aber was sind das eigentlich für Menschen?

Es gibt da natürlich die verschiedensten Typen. Den alten Schulmeister, der noch den Overheadprojektor dem Beamer vorzieht, die leicht alternativ angehauchte Professorin, die in selbstgehäkelten Gewändern auf dem Podium steht und den leicht gestressten jungen Typ mit Brille, der ein wenig unorganisiert scheint.

Ich habe hier ein paar besonders interessante Exemplare ausgesucht, die ich von meiner Uni kenne. Die Namen habe ich natürlich geändert, damit man sie nicht erkennt.

Micheal (Mike) Rizzoli, 63, Amerikaner, unterrichtet Sprachpraxiskurse in Englisch

Ja der Mike… Selten trifft man auf Dozenten, die so stark polarisieren wie er. Stellt euch Mike als dünnen, 1,60m großen, europäisch anmutenden Mann mit gräulichen Haaren und Brille vor, der immer einen Anzug trägt. Meistens sind ihm seine Anzüge zu groß, sodass er einen fast schon lächerlichen Eindruck macht, wenn man ihn das erste mal sieht.

Sobald er den Mund aufmacht hört man: Er ist Amerikaner! Seine Aussprache und die Tatsache, dass er keine Sitzung halten kann, ohne über Donald Trump zu sprechen, deuten darauf hin. Amerikanisches Englisch ist im übrigen seiner Meinung nach das einzig wirklich richtige, und relevante Englisch und er scheut sich nicht, das ziemlich direkt zu sagen.
Ich habe ihn auch schon sagen hören, dass Deutsche seiner Meinung nach kein Englisch unterrichten können und es besser bleiben lassen sollten. In Kursen für Lehramt hat er das gesagt, vor zukünftigen Englischlehrern. Ich frage mich, woher die Lehrer dann kommen sollen. Die alle aus Amerika zu importieren wird jedenfalls schwierig…

Überhaupt redet er unheimlich gerne, und noch lieber hört er sich selber dabei zu. Wenn er einmal angefangen hat, hört er nicht mehr so schnell auf zu sprechen auch wenn es in seinen Kursen eigentlich darum geht, dass die Studenten Sprachpraxis bekommen sollen und nicht er. Vielleicht hat ihm das noch keiner gesagt. Mike neigt außerdem dazu, ständig die gleichen Geschichten zu erzählen. Die, die ihn kennen, wissen bestimmt von seiner vor etwa 10 Jahren gekauften Wohnung….

Das Problem an Mike ist allerdings, dass man verkackt hat, wenn er einen nicht mag. Ich kenne nur sehr wenige Studenten, die nicht mindestens einmal mit ihm aneinander geraten sind. Mich eingeschlossen. Er hat leider außerdem die Angewohnheit, Leute, die gerade eine Präsentation halten, noch während dieser Präsentation auseinander zu nehmen. Er könnte wenigstens warten, bis der Vortrag zu Ende ist, wir müssen ihn ja schließlich auch ausreden lassen….

Eins hat mir Mr. Rizzoli allerdings beigebracht. Ich finde tatsächlich, dass er kein schlechter Lehrer ist, wenn man akzeptieren kann, dass er einfach ein Mistkerl ist. Mir hat er beigebracht, den Mund zu halten wenn ich mich am liebsten gegen etwas wehren würde. Meistens macht es das nur noch schlimmer oder hat gar keinen Effekt.

Dörte Blinker, geschätzt 59, unterrichtet Erziehungswissenschaften

Hach die Dörte. Da werden Erinnerungen an das erste Semester wieder wach. Ihre Veranstaltung war eine der ersten, die ich überhaupt während meiner Uni-Laufbahn besucht habe. Und es war totsterbenslangweilig.

Stellt euch Dörte als winzig kleine Frau mit rötlich-lila gefärbten Locken und Brille vor, die oft in unangebracht kurzen Röckchen und bunten Strickpullis aus den 1980ern durch die Uni läuft. Erkennen kann man sie dann an ihrem überdimensionalen Rücksack mit der roten Filz-Blume dran, denn der ist so groß, dass man ihn meist vor ihr sieht. Man sieht sie durchaus auch öfter an der Bushaltestelle, wie sie sich eine Zigarette dreht und dann genüsslich daran nuckelt.

Ihre Vorlesung sah jedenfalls so aus: 600 Studenten, alles Ersties, im größten Hörsaal der Uni und Frau Blinker schafft es so gerade eben, ihr MacBook an den Beamer anzuschließen. Gespannt beobachten wir alle, wie sie mit sichtlichen Schwierigkeiten die PowerPoint Präsentation öffnet und in den Vollbild-Modus schaltet. Ok, sie ist schon älter und Technik lässt sich zuweilen nicht ganz einfach bedienen, es sei ihr verziehen. Vorerst zumindest.
Die erste Folie erschlägt uns alle direkt, denn sie ist von oben bis unten mit Text vollgeschrieben. Ob hier ein Fehler in der Formatierung vorliegt, fragt man sich. Man wartet ab. Frau Blinker geht zuerst Organisatorisches durch, dass sie wortwörtlich von ihrer Folie abliest. Vielleicht ist das für sie auch alles neu, man weiß es ja nicht. Ist ja nicht schlimm, dass sie das abliest…

Nach den ersten 10 Folien merkt man dann aber recht schnell: Das ändert sich nicht mehr. Sie liest wirklich alle Folien einfach nur vor. Wenn jemand eine Frage stellt, liest sie die entsprechende Passage eben nochmal vor, es gibt keine genauere Erklärung. Jede weitere Sitzung ist genau gleich: Sehr langweilig und monoton. Ich habe die anderen Studenten vor Langeweile in dieser Veranstaltung schon sehr interessante Dinge tun sehen. Hier meine Top 5:
5. Schlafen. Ganz schlicht und einfach.
4. Fußball auf dem mitgebrachten Laptop schauen.
3. Telefonieren. Hat sie gar nicht bemerkt…
2. Den Saal verlassen und eingedeckt mi Brötchen und Kaffee wieder kommen.
1. Frühstücken 2.0: den mitgebrachten Sandwichtoaster aufbauen und den gesamten Sitzblock mit Essen versorgen.

Und das ist wahr! Wer könnte sich sowas ausdenken?

Die Krönung bringt Frau Blinker allerdings selber mit. Zur Vorlesung empfiehlt sie uns in der ersten Sitzung ihr eigenes Buch, dass man parallel zur Veranstaltung lesen soll. Eine Viertelstunde lang erzählt sie, wie sie mit einem anderen Erziehungswissenschaftler das Buch zusammen geschrieben hat, und ihre Vorlesungen jetzt darauf aufbaut.
Moment mal… denke ich. Für mich klingt das, als wollte die Uni sicherstellen, dass sie wirklich etwas sinnvolles erzählt und ihr deshalb jemanden gegeben hat, der ihr einen Leitfaden für ihre eigene Vorlesung bastelt.

Nächsten Montag gibt es zwei weitere Dozenten, die ziemlich besonders sind! Schaut unbedingt vorbei!

Kennt ihr auch Dozenten, die einfach nur einmalig sind? Beschreibt sie doch mal in den Kommentaren!

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