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Die Dozenten – Teil 2

In der letzten Woche haben wir hier ja bereits zwei Typen von Dozenten kennengelernt, die mir besonders am Herzen liegen. Nicht.
Heute geht es weiter. Ich möchte euch wieder zwei meiner Dozenten vorstellen, ohne die mein Uni-Alltag ganz sicher nicht der selbe wäre.

Martin Ludwig, ca. 32, Anglist, unterrichtet englische Literatur

Ja, ich weiß. Ich meckere schon wieder über einen Dozenten, aber nach meiner Beschreibung von diesem speziellen Exemplar werdet ihr mir ein gewisses Recht zum meckern einräumen.

Mr. Ludwig hat es nicht leicht. Zuerst einmal ist er rothaarig und Brillenträger. Die armen Rothaarigen haben ja bekanntlich keine Seele. Bei ihm hier kann man sich da auch nicht ganz sicher sein. Zudem lässt sein Kleidungsstil vermuten, dass er Farbenblind ist. Das kommt nicht nur daher, dass er gerne und oft Farben trägt, die man als Rothaariger einfach nicht tragen kann, weil sie sich ganz furchtbar mit der Haarfarbe beißen, er kombiniert auch noch Farben miteinander, die einfach nicht zusammen gehören.

Seine schönste (Vorsicht Ironie) Kombination beschreibe ich hier:

  • Dunkelblaues Sakko (okay)
  • Lila Hemd unter dem Sakko (fragwürdig), mit passendem Einstecktuch (wenigstens ist er konsequent)
  • Orangefarbene (!!!) Kordhose (was bitte ist in ihn gefahren!?)
  • Hellgrüne Schuhe (go big or go home)

Wie man es auch dreht und wendet, man kann es nicht schönreden. Er sieht einfach aus, als würde er nicht in den Spiegel sehen, bevor er das Haus verlässt.

Zwei Annahmen können aus diesem Phänomen geschlossen werden:

  • Er hat keine Frau/Freundin/Partner. Niemand würde ihn so vor die Tür gehen lassen
  • Sein/e Frau/Freundin/Partner ist blind oder völlig ignorant

Was auch immer es ist, er muss es ändern. Ich habe bisher nur ein Seminar bei ihm gehabt und habe mich danach entschieden, ihn zu meiden. Das liegt aber nicht nur an seiner Kleidung auch wenn sie mehr Aufmerksamkeit von den Studenten auf sich zieht als das was er erzählt.

Ein weiteres, haarsträubendes Detail, dass bei einer Beschreibung von Herr Dr. Ludwig nicht fehlen darf, ist dass er, Doktor der Anglistik, nicht in der Lage ist, ein Th korrekt auszusprechen. Es ist nicht leicht aber ein Doktor der Anglistik sollte es können.

Des weiteren bin ich der festen Überzeugung, dass Herr Dr. Ludwig irgendein grundlegendes Problem (vielleicht mit sich) haben muss. Ich habe diese Geschichte schon vielen meiner Bekannten erzählt, denn sie beschreibt ihn einfach zu gut. Wenn ihr die Geschichte kennt, entschuldige ich mich dafür, sie hier nochmal zu erzählen.

Herr Ludwig hat im Seminar zur Demonstration von der frühkindlichen Spiegelphase einmal eine sehr dramatische Art und Weise gewählt. Er hat Anlauf genommen und ist mit voller Wucht gegen die Wand des Seminarraums gesprungen. Das ist kein Witz, das ist so passiert. Ich hab gedacht, ich komme da nicht mehr lebend raus.

Beinahe gar nicht erwähnenswert scheint daneben die Tatsache, dass er als jedes Beispiel Analverkehr verwendet. Immer.

Er ist in der Lage, dass in jeden Text, jedes Gedicht reinzuinterpretieren. Ist irgendwie auch eine Kunst. Das ist etwas, was es gibt und das nicht totgeschwiegen werden sollte, aber doch nicht jedes Mal…
Herr Ludwig ist das aber auch jedes Mal peinlich. Wenn er davon erzählt wird er immer rot (passt super zu seinen Haaren…) und schaut auf den Boden. Warum tut er sich das an?

Im Bezug auf Studien- und Prüfungsleistungen kann ich sagen, dass ich seine Klausuren relativ schwer fand. Auch wenn man gut vorbereitet war, waren die Aufgaben nicht leicht zu beantworten. Die Tatsache, dass er seine Inhalte besser erklären könnte, als er es tut, kommt erschwerend hinzu. Absolut inakzeptabel finde ich allerdings, dass sämtliche, ihm unterstellte Mitarbeiter original seine Folien für ihre Seminare benutzen, wenn sie denn das gleiche Seminar anbieten. Und die Klausuren sind dann auch die gleichen. Dieses Phänomen habe ich angesprochen und es scheint an meiner Uni bekannt zu sein, dass scheint aber noch lange nicht bedeuten zu müssen, dass man daran etwas ändern würde…

Um jetzt aber auch zu zeigen, dass ich nicht nur einfach alle meine Dozenten schlecht finde, beschreibe ich euch jetzt meinen Lieblingsdozenten.

Björn Svenson, ca. Mitte 30, Soziologe, Unterrichtet deutsche Literatur

Stellt euch Herr Svenson einfach als kleinen, kahlköpfigen Typ mit Schiebermütze und Waschbärbäuchlein vor. Er trägt 3-Tage-Bart, meist Jeans und Sneakers zu einfarbigen Hemden und grauen Pullis. Fast geht er noch als Langzeitstudent durch, wenn man ihn auf dem Campus sieht.

Natürlich ist nicht alles toll an Herr Svenson. Was er gar nicht kann, aber das haben viele Dozenten der Germanistik an der Uni, ist PowerPoint Präsentationen machen. Meist schreibt auch er einen Fließtext auf die Folien und liest ihn vor. Ich weiß nicht was die Germanisten denken wenn sie die Folien so voll knallen. Die Anglisten machen sich jedenfalls ständig (zurecht) über die Präsentationen der Germanisten lustig.

Wenn er das vorliest, dann ist das aber nicht langweilig. Vielleicht liegt es an mir, aber ich höre ihm unheimlich gerne zu denn er liest nicht nur. Er macht mehr. Er liest, als würde er eine Geschichte erzählen, es hört sich fast so an, als hätte er das alles auswendig gelernt, weil es sich so wenig nach Lesen anhört.

Was mir persönlich sehr gut gefällt und weswegen ich mir seinen Stoff unheimlich gut merken kann ist, dass er immer Anekdoten in seine Vorlesung einbaut. Ich kann mir bis heute merken, wie die Ausbürgerung von Wolf Biermann aus der DDR abgelaufen ist und ich habe das Seminar vor über zwei Jahren besucht. Er steht hinter dem, was er erzählt und er brennt dafür. Das ist einfach ansteckend, auch wenn einen das Thema ursprünglich gar nicht so interessiert hat.

Er ist aber auch in Bezug auf Leistungserbringung interessant. Grundsätzlich in jedem seiner Kurse, die ich besucht habe, hat er eine Woche vor der Klausur die Klausurfragen vorgelesen und mit einem großen Wink mit dem Zaunpfahl verkündet, dass diese genau so dran kommen. Und sie kamen dann auch dran. Dann war er allerdings recht streng in der Bewertung, aber das steht ihm meiner Meinung nach auch zu, wenn er schon die Fragen verrät.
Zusammengefasst, Björn ist motivierend und verängstigt nicht seine Studenten. Es macht Spaß , ihm zuzuhören und er ist fair. So oder so ähnlich sollte ein Dozent sein!

Fazit:

Wir haben wahrscheinlich alle Dozenten, mit denen wir besser klarkommen, als mit anderen. Wir haben wahrscheinlich auch alle einen Dozenten, mit dem wir gar nicht klar kommen, und Lieblingsdozenten haben wahrscheinlich auch viele. Wichtig ist im Endeffekt, dass wir unsere Leistungen erbringen können und an den Herausforderungen der Seminare und Vorlesungen wachsen und etwas lernen. Dafür sind wir schließlich in der Uni.
Wie der einzelne Dozent dies gewährleistet, bleibt ihm überlassen.

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