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Abi hinterhergeworfen?

Ohne das jetzt böse zu meinen muss ich sagen, dass ich mich bei manchen Studenten, die ich an der Uni treffe, wirklich frage, wie sie ihr Abitur bekommen haben. An manchen Schulen scheint es nicht besonders schwer gewesen zu sein, es zu schaffen. Kennt ihr das auch? Oder kennt ihr Studenten, bei denen ihr euch wundert, wie sie morgens den Weg zur Uni finden?

Im Einzelnen geht es heute hierum:

  • Welche Studenten sind gemeint?
  • Abitur in verschiedenen Bundesländern
  • Abitur an verschiedenen Schulformen
  • Fällt das Niveau in Deutschland allgemein?

 

Welche Studenten sind gemeint?

Ich rühme mich selber nicht damit, eine besonderes gute Schülerin gewesen zu sein. Im Gegenteil. Ich habe nicht nur kein gutes Abitur gemacht, ich habe ein besonders schlechtes Abitur gemacht und konnte deswegen nicht den Berufsweg einschlagen, den ich eigentlich verfolgen wollte. Und darüber habe ich mich schon oft geärgert. Dass ich mir durch mein schlechtes Abitur so viele Möglichkeiten verbaut habe und ich schäme mich jedes Mal, wenn ich es im Zuge einer Bewerbung oder so verschicken muss.

Ich bin nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen aber ich bin gut in den Bereichen, die mir wichtig sind.

Die Studenten, die ich hier meine sind auf gar keinen Fall dumm. Nur haben sie eben kein Abitur verdient. Das ist überhaupt auch überhaupt nicht schlimm. Es ist in meinen Augen nur etwas unfair.
Es klingt brutal, aber Leute, denen es an grundlegenden Fähigkeiten fehlt, sollten nicht Studienplätze an Unis besetzen, die Andere viel mehr verdient hätten.

Eine andere Frage ist aber dann, ob das Abitur überhaupt die richtige Methode ist, Menschen zu kategorisieren oder ob das ganz anders gemacht werden sollt. Darüber lässt sich streiten.

Ich spreche hier von Menschen ohne Menschenverstand. Es gibt so viele, die sich über die Zukunft und über viele wichtige Dinge keine Gedanken machen und total unselbstständig sind. Viele denke einfach nicht weiter als von der Tapete bis zur Wand und das ist traurig.

Abitur in verschiedenen Bundesländern

Ich möchte hier das Beispiel vom Bundesland Hessen anbringen, weil wahrscheinlich viele schon davon gehört haben. In meinen Kreisen gilt es als allgemein bekannt, dass das Abitur in Hessen leichter zu bekommen ist, als in anderen Bundesländern. Ich kenne sogar Eltern aus NRW, die ihre Kinder aufgrund dieser Annahme auf Gymnasien in Hessen geschickt haben, damit sie es leichter haben und vielleicht in Hessen ein Abitur bekommen, wenn sie das in ihrem Bundesland vielleicht nicht geschafft hätten.

Wie überprüft man aber, ob das Abitur in verschiedenen Bundesländern unterschiedlich schwer ist?
Und sollte man nicht annehmen, dass so eine Tatsache, wenn sie denn festgestellt worden wäre, nicht geändert worden wäre?
Vielleicht steht einem Vergleich die Gesetzgebung im Weg. Bildung ist laut dem Grundgesetz die Angelegenheit der einzelnen Bundesländer und nicht des Bundes. Die Bundesländer dürfen ihre Bildung also durchaus unterschiedlich gestalten, allerdings sollte sie überall das selbe Ergebnis haben. Finde ich zumindest.

Abitur an verschiedenen Schulformen

Ich finde es sehr schade, dass viele Leute immer noch nicht wissen, dass das Gymnasium oder die immer mehr verbreitete Gesamtschule nicht die einzigen Schulen sie, an denen man ein Abitur bekommen kann. In NRW nennt man Berufsschulen Berufskolleg und an solchen Berufskollegs kann man nicht nur den schulischen Teil seiner dualen Berufsausbildung verbringen, man kann dort auch Abschlüsse machen. Unter anderem ein Abitur. Und das ist auch gut so.

Ich kann hier wieder eine Geschichte aus meiner eigenen Erfahrung erzählen. Ich war ursprünglich auf einer recht konservativen katholischen Realschule, die früher eine reine Mädchenschule war. Meine Mutter wurde dort noch von Nonnen unterrichtet. Bei mir gab es keine Nonnen mehr aber wir mussten immer noch viel in die Kirche gehen…

Diese Realschule war die einzige Realschule in der Stadt und es gab dort auch nur ein Gymnasium, aus das man gehen konnte, wenn man mit der Realschule fertig war. Dafür brauchte man aber einen bestimmten Notenschnitt auf dem Abschlusszeugnis, heute nennt man das Q-Vermerk, glaube ich.
Einen Q-Vermerkt hatte ich aber leider nicht.
Ich denke nicht, dass das daran lag, das ich zu dum oder zu faul war. Die Schule war einfach nichts was ich mochte und ich habe meine Eltern oft gebeten, mich auf eine andere Schule zu schicken, auch wenn ich dann weiter weg zur Schule gehen müsste. Ich wurde gemobbt und es gab keine Klassengemeinschaft. Die Schule durfte ich nicht wechseln und musste durchhalten.

Ich bin nach dem Realschulabschluss auf ein Berufskolleg gegangen um dort eine schulische Ausbildung zu machen, dazu gab es praktischerweise ein Fach-Abitur. Außerdem bestand die Möglichkeit, nach der Ausbildung mit dem inkludierten Fach-Abi ein weiteres Jahr an der Schule zu verbringen und danach die allgemeine Hochschulreife zu erhalten. 4 Jahre, eine Ausbildung, ein Fach-Abitur und ein Abitur. Es war nicht leicht, aber ich habe es geschafft. Mit 20 war ich fertig.

Wenn dieses Berufskolleg nicht so tolle Angebote für Leute wie mich gehabt hätte, weiß ich nicht, was ich jetzt tun würde. Das Berufskolleg hat für mich alles verändert und nur deswegen kann ich nun zur Uni gehen. Für viele Menschen, die nicht so ein gutes Angebot bekommen, ist der Bildungsweg hier zu Ende obwohl sie viel mehr Potenzial haben.

Das Abitur war allerdings anders als an Gymnasien. Ich hatte keine Leistungs- und Grundkurse. Alle Kurse waren Leistungskurse. Am Ende mussten wir 4 schriftliche Prüfungen schreiben.

Vergleichbar ist mein Abitur deswegen meiner Meinung nach nicht mit einem Abitur von einem Gymnasium.

Fällt das Niveau in Deutschland allgemein?

Ich habe es Niveau genannt, aber ich bin mir nicht sicher, ob man hier von Niveau sprechen kann. Was allerdings schon längere Zeit beobachtet werden kann, ist, dass man für viel mehr Ausbildungsberufe (!) heutzutage ein Abitur benötigt, als früher.
Im Zeitalter meiner Eltern hatte man mit einem Realschulabschluss oder einem guten Hauptschulabschluss unheimlich viele Möglichkeiten. Heute hat man nur sehr wenige. Für fast alle höheren Positionen egal in welchem Bereich braucht man ein abgeschlossenes Studium. Die Lebenshaltungskosten steigen aber die Löhne bleiben gleich. Das gleiche Gehalt wie vor 20 Jahren muss viel höhere Kosten stemmen als vor 20 Jahren.

Zwangsläufig braucht man ein Abitur und ein Studium, wenn man eine Familie haben möchte und diese ernähren will. Es geht nur noch darum, Zettel zu sammeln. Was ein Mensch kann, ist nicht mehr so wichtig. Man muss den Zettel haben auf dem „Abitur“ steht und man muss den Zettel haben auf dem „Master of..“ Steht.

Es ist leicht sich vorzustellen, das die Qualität der Bildung leidet, wenn man so vielen Leuten wie möglich ein Abitur geben will, weil es nicht anders geht. Das System funktioniert einfach nicht mehr und irgendwann wird sich das deutsche Bildungssystem grundlegend ändern müssen.

Fazit:

Informiert euch über alle Möglichkeiten die euch offen stehen. Informationen und Wissen über das, was ihr tun könnt, um euch so gut wie möglich auf eure Zukunft vorzubereiten sind von unschätzbarem Wert.
Ihr könnt nicht noch einmal zurück, an einem bestimmten Punkt ist es zu spät. Deswegen ist es so wichtig, frühzeitig über die Zukunft nachzudenken.

 

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