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Andere Studenten Teil 8

Das ist er jetzt also, der vorletzte Teil der Mini-Serie über ander Studenten. Heute habe ich mir mal wieder ein besonderes Exemplar für euch ausgesucht.

Anna, 19, studiert LKM weil es so cool ist, sich noch nicht auf einen Berufswunsch festlegen zu müssen

Ok ich gebe es zu, der Titel ist ein bisschen lang aber ich kann es nicht kürzer formulieren. Anna kann man am besten damit beschreiben, dass sie noch nicht weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll.
Das ist generell nichts schlimmes aber wenn man sich für einen Studienganz entscheidet halte ich es in der Tat für sinnvoll, wenn man wenigstens eine grobe Ahnung hat, wo es hingehen soll.
Anna fehlt diese grobe Ahnung. Mit 19 ist das eigentlich auch noch in Ordnung. Immerhin habe ich mich mit 23 noch einmal umentschieden, nachdem ich erst etwas ganz anderes gemacht hatte. Man sollte dann aber wenigstens versuchen herauszufinden, welcher Arbeit einem liegen könnte. Dafür kann man beispielsweise Praktika oder ähnliches machen. Außerdem gibt es Messen für Abiturienten, auf denen sich einzelne Betriebe und Universitäten vorstellen, sodass man sich ein Bild davon machen kann. Anna hat wahrscheinlich keines solche Angebot wahrgenommen.

Ich habe Anna direkt zu Begin meines ersten Semesters kennen gelernt und treffe sie und ihre Freunde immer noch häufig. Als ich sie in der ESE gefragt habe was sie studiert und warum hat sie wirklich gesagt: „Ich studiere LKM weil ich es toll finde, dass ich mich nicht festlegen muss. Ich kann damit viele verschiedene Dinge machen.“
Ja, recht hat sie.

LKM, oder „Literatur Kultur Medien“ wird an meiner Uni auch „Lachen Klatschen Malen“ genannt und der Studiengang hat nicht den besten Ruf. Vor allem sagt man den LKM Studenten nach, dass sie viel anfangen aber nichts richtig können. Das Anna noch nicht weiß was sie in ihrem Berufsleben machen möchte, passt ebenfalls zu den bestehenden Stereotypen. Viele LKM Studenten äußern zusätzlich den Wunsch, danach einmal beim Fernsehen oder Radio zu arbeiten und die werden dann ganz schnell böse, wenn man ihnen sagt, dass das Fernsehen nicht so viele Kabelträger braucht. Oder sie verstehen den Spruch gar nicht erst. Ich weiß nicht, was schlimmer ist.

Als ob der Spruch mit dem „nicht festlegen“ nicht schon schockierend genug wäre, sehen LKM Studenten wie Anna manchmal auch noch „interessant“ aus, um es milde zu formulieren.
bunt gefärbte Haare in grellen Farben sind keine Seltenheit
Alle Stilrichtungen zwischen Punk und „Ich-kaufe-mein-Gemüse-ohne-Verpackung“ sind vertreten
Häufig trifft man auf ältere Studenten.

Realitätsferne

Warum man sich für einen Studiengang entscheidet, bei dem nicht eindeutig ist, was man danach für einen Job damit bekommen kann, ist mir schleierhaft. Wenn ich studiere, dann tue ich das doch aus einem bestimmten Grund, auch wenn der Grund nur das besondere Interesse für ein bestimmtes Themengebiet ist. Aber bei beinahe jedem Studiengang verrät bereits der Name, was man damit anfangen kann. Bauingenieur, Lehramt, ok Jura ist schon schwieriger, Architektur, soziale Arbeit, Meeresbiologie sind alles Beispiele dafür.

Ich muss aber zugeben, das LKM schon seine Reize hat und ich Anna durchaus ein bisschen verstehen kann. Sie will wahrscheinlich einfach noch nicht in den Ernst des Lebens und die Arbeitswelt übergehen und so lange wie möglich irgendwo dazwischen, nämlich in der Uni, hängen.

Für manche ist es tröstlich sich noch nicht entscheiden zu müssen. Solange man sich nicht entschieden hat, hat man auch noch nichts falsch gemacht oder etwas, dass man später einmal bereuen könnte.

Für immer weglaufen?

Eines ist jedoch eindeutig. Anna und andere LKM Studenten wie sie werden auch irgendwann ankommen müssen, wenn sie nicht als mittellose Langzeitstudenten enden wollen. Man kann einfach nicht immer vor einer Entscheidung weglaufen. Man muss sie irgendwann treffen. Die Gefahr, dass man sich dabei falsch entscheidet, wird nicht verschwinden, man muss sich ihr stellen. Ich habe mich auch falsch entschieden. Ich habe 7 Jahre lang etwas gemacht, das zu nichts geführt hat, auf das ich nichts aufbauen konnte. Das ist kein Beinbruch, dann fängt man eben noch einmal von vorne an.

Fazit:

Mir kommt es wie hier beschrieben so vor, als wäre LKM für alle diejenigen Studenten, die sich nicht für einen Studiengang und damit auch zumindest mal für eine Berufsgruppe entscheiden wollen oder können. Das er das nicht sein muss, weil er bestimmt viele interessante Themengebiete umfasst ist auch logisch. Aber nichts kann mehr sein als das was es repräsentiert. Wir sollten vielleicht auch darauf achten, wie wir Studenten wie Anna wahrnehmen und was wir über Studiengänge wie LKM denken. Kein Studiengang ist nur gut oder schlecht, nur sinnvoll oder sinnlos.

 

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