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Es nervt! Praktikum im Lehramt

Wie manche von euch vielleicht schon mitbekommen haben, studiere ich, um einmal Lehrerin zu werden. Mein Studiengang schreibt es dafür vor, dass man nicht nur ein Praktikum sondern gleich zwei Praktika absolvieren muss. Diese Praktika liegen innerhalb der „Semesterferien“ die heute ziemlich zutreffend oft nur noch als „vorlesungsfreie Zeit“ betitelt werden, und man wird dafür meistens nicht bezahlt.
Oft kommt es dazu noch vor, dass die armen Studenten von den Schulen ausgenutzt und als unbezahlte Lehrkräfte benutzt werden.
Und ich muss sagen, dass es mich unheimlich genervt hat. Und ich musste schon nur eines der beiden Praktika absolvieren…

Ja ich weiß, dass viele jetzt vielleicht viele von euch denken „ist doch gut, dass man ausprobieren kann, ob man den Beruf überhaupt mag!“.
Denn es ist in der Tat gut, dass ausprobieren zu können.

Um das geht es heute konkret:

  • Was für Praktika muss man im Lehramt machen?
  • Wie läuft ein Praktikum an einer Schule ab?
  • Was ich gerne verbessern würde

Was für Praktika muss man im Lehramt machen?

Nun ja, dafür solltet ihr jetzt wissen, was ich genau studiere. Bei den verschiedenen Lehramtsstudiengängen gibt es da wahrscheinlich verschiedene Anforderungen und ich kann hier natürlich nur von meinem Studiengang sprechen.

Also, ich studiere im Bachelor-Master-System, dass seit 2012 existiert. Das bedeutet, dass ich kein Staatsexamen mache, sondern (und das verrät bereits der Name) erst einen Bachelor und dann einen Master mache.
Dabei studiere ich die beiden Fächer, die ich einmal unterrichten möchte und Bildungswissenschaften.
Dann kommt es natürlich noch darauf an, für welche Schulform man sich entschieden hat. In meinem Fall ist es das Berufskolleg. Für die, die das nicht kennen, so heißen die meisten Berufsschulen in NRW.

Wie bereits beschrieben, muss man während dem Lehramtsstudium zwei von einander unabhängige Praktika absolvieren. Da wäre zunächst das erste Praktikum, das Einführungs- und Orientierungspraktikum (EOP).

Die Uni stellt sich das so vor, dass man dieses Praktikum am besten so früh wie möglich während des Studiums absolvieren sollte. Das ist auch durchaus sinnvoll, weil es den Studenten einen Überblick über den zukünftigen Beruf und den Alltag auf der anderen Seite der Macht geben soll. Man kann so unter umständen schon nach dem ersten Semester eigene Lehrerfahrungen machen. Wenn man es überhaupt nicht mag weil man vielleicht festgestellt hat, dass man doch nicht gerne vor einer Klasse steht, hat man nach dem ersten Semester noch nicht viel Zeit verschwendet. Sollte man sich anders entscheiden und etwas anderes studieren wollen, kann man das nach einem Semester super machen. Man hat noch nicht jahrelang Zeit und Geld in etwas investiert, dass man nicht weiter machen will. Und man kann sich immer mal irren.

Das zweite Praktikum, dass man während dem Lehramtsstudium absolvieren muss ist das sogenannte Berufsfeldpraktikum. Während diesem befindet man sich nicht wie im EOP an einer Schule und versucht sich selbst als Lehrer, man geht in einen Betrieb. Hier kann man die Chance nutzen, sich auch einen anderen Beruf noch einmal genauer anzuschauen. Allerdings sollte das Berufsfeldpraktium schon etwas mit Pädagogik oder Lernen zutun haben.

Dieses zweite Praktikum absolviert man für gewöhnlich ungefähr zwischen dem 4. Und dem 5. Semester und damit bekommt man noch einmal die Chance, es sich vielleicht anders zu überlegen.

In diesem Beitrag soll es allerdings nur um das EOP gehen, denn nur dafür befindet man sich in einer Schule. Zudem habe ich das Berufsfeldpraktikum anerkannt bekommen. Es besteht nämlich die Möglichkeit, sich eine berufliche Tätigkeit, die man schon absolviert hat, anerkennen zu lassen. Damit doppelt sich nichts und ich konnte mir das Praktikum sparen, da ich vor meinem Studium 3 Jahre lang erwerbstätig war.

Wie läuft ein Praktikum an einer Schule ab?

Eigentlich ist es genau so, wie man es sich vorstellt. Wenn man erst einmal eine Schule gefunden hat, bei der man das Praktikum absolvieren kann, geht es erst richtig los. In der Regel muss man für das Praktikum an der Uni auch ein Begleitseminar belegen. In meinem Fall war das der absolute Witz. Es gab ein paar Sitzungen vor und nach dem Praktikum, in denen es hauptsächlich darum ging, wie der Praktikumsbericht anzufertigen ist.

Dann steht man aber irgendwann am ersten Tag vor der Schule. Ich musste feststellen, dass ich locker als Schülerin hätte durchgehen können, weil ich jünger aussehe. Der Lehrer, der mir die Tür zum Lehrerzimmer geöffnet hat, hat das jedenfalls erst auch gedacht. Dabei wird er wohl davon gewusst haben, dass das Praktikum an dem Tag beginnen sollte, denn wir waren mit 7 Studenten an der gleichen Schule.

Als Praktikant gehört man aber nirgendwo richtig dazu. Man ist ja noch kein richtiger Lehrer, man studiert eben aber ein Schüler ist man eben auch nicht mehr. Mir kam es so vor, als wüssten die Lehrer an der Schule auch nicht richtig, wie sie damit umgehen sollten. Es gab die einen, die einen quasi wie einen Kollegen behandelt haben und dann gab es diejenigen, für die man noch ganz weit weg von einer Gleichstellung mit ihnen war.

Jedenfalls bekamen wir am Anfang einen „Stundenplan“ (gab einem auch wieder das Gefühl, dass man noch kein Lehrer ist…) und hatten dann zu den jeweiligen Stunden zu erscheinen.
Sich willkommen fühlen ist jedenfalls anders. Während der meisten Zeit im Praktikum habe ich umständlich und beengt neben der jeweiligen Lehrkraft am Pult gesessen und zugehört und beobachtet. Das klingt jetzt langweiliger, als es in Wirklichkeit war. Langweilig war es auch deshalb nicht, weil ich in vielen verschiedenen Klassen „eingesetzt“ wurde. In Klassen, in denen die Schüler das Abitur machen aber auch in solchen, wo die Schüler versuchen, ihren Hauptschulabschluss nachzuholen. Versuchen ist hier wahrscheinlich das richtige Wort…

Ich muss hier aber ganz deutlich sagen, dass die Schüler alle, egal in welchen Klasse, sehr nett waren und das hätte ich nicht unbedingt erwartet. Ich treffe heute noch manche davon in der Stadt und sie grüßen mich noch.

Mit den einzelnen Lehrkräften spricht man dann natürlich und man bekommt wahrscheinlich angeboten, auch mal eine Unterrichtsstunde selber vorzubereiten und zu halten. Das sollte man auf jeden Fall machen. Dabei kann man lernen, wie man Zeiten und Aktivitäten plant und so weiter. In der Uni bekommt man das ja beigebracht, aber es ist noch einmal etwas anderes, es dann in die Tat umzusetzen und selber auszuprobieren.

Dann ist das Praktikum irgendwann vorbei und man schreibt seinen Bericht. In meinem Fall sollten wir im Unterricht ein Phänomen beobachten und das dann analysieren. Auch wieder sehr theoretisch, aber es ist nun mal Uni und es ist auch Deutschland…

Das allerschlimmste am Praktikum ist allerdings, wie bereits erwähnt, dass es während den Semesterferien stattfindet. Also in der Zeit, in der man auch noch Klausuren schreibt, dafür lernen muss und vielleicht auch nich für Hausarbeiten recherchiert. Da das Praktikum meistens 5 Wochen dauert, ist am Ende also noch weniger von den Ferien übrig, als sowieso schon.

Natürlich ist das nicht in jeden Semesterferien so, aber trotzdem könnte man das auch innerhalb vom Semester machen.

Was ich gerne verbessern würde:

1. Ein klarer Status

Mir wäre es lieber gewesen, wenn die Lehrkräfte sich untereinander geeinigt hätten, wie man Praktikanten behandelt. Während dem Aufenthalt im Lehrerzimmer gab es häufig betretenes Schweigen. Fast so, als wollten sich die Lehrer vor den Praktikanten nicht über Privates unterhalten wollen. Mit den Studenten haben sich auch nur die wenigsten unterhalten obwohl das bestimmt interessant gewesen wäre.

2. Mehr Praxis

Diese Praktika soll man schließlich absolvieren, um daraus etwas zu lernen. Wie soll man etwas lernen, wenn man nur daneben sitzt und zuschaut? Dafür reicht es fast schon aus, sich an seine eigene Schulzeit zu erinnern und das lehne ich in meinem Fall dankend ab.

Die Studenten sollten mehr von den Lehrern geführt und dazu angestiftet werden, selbst aktiv zu werden. Eine Lehrerin hat das in meinem Praktikum getan. In ihrem Unterricht war ich mit noch einem anderen Praktikant zusammen anwesend. Wir haben in der Zeit ein Stationenlernen durchgeführt, bei dem jeder der drei „Lehrer“ seine Station selber vorbereiten und unterrichten sollte. Die Schüler sind zwischen den Stationen rotiert, sodass in jeder Stunde jeder Schüler an allen drei Stationen war. Wir Praktikanten fanden das sehr gut und die Schüler haben auch positives Feedback gegeben, weil sie sich in den kleineren Gruppen besser betreut gefühlt haben.

3. Entgelt

Natürlich ist es für die Schule auch aufwand und das will ich gar nicht bestreiten. Das Ganze muss organisiert werden und die Lehrkräfte investieren eventuell Zeit, die auch sie nicht bezahlt bekommen. Ich verlange hier ja auch gar nicht Unsummen, aber ein kleines Dankeschön wäre nett gewesen. Es hat nämlich nicht mal eine Schachten Pralinen zum Abschied gegeben.

4. Studenten nicht als Aushilfslehrer ausbeuten

Das ist mir persönlich nur bedingt passiert. Es kam erstaunlich häufig vor, dass ich Klassen betreuen musste, in denen der Lehrer erkrankt war. Dafür wurde ich dann aus den Klassen geholt, in denen ich eigentlich anwesend sein sollte. Dabei habe ich dann den Schülern stundenlang dabei zugesehen, wie sie Aufgaben gemacht haben. Dabei habe ich nichts gelernt.

An anderen Schulen soll das aber auch noch extremer laufen. Kommilitonen haben mir haarsträubende Geschichten erzählt. Die mussten beispielsweise während dem gesamten Praktikum eine Klasse unterrichten ohne das auch nur einmal eine Lehrkraft da gewesen wäre. Das geht einfach gar nicht. Da die Studenten aber natürlich auch nicht bezahlt wurden, ist das nicht aufgefallen. Studentische Praktikanten sind aber nicht als günstige Arbeitskräfte an den Schulen unterwegs.

Fazit:

Die Erfahrungen, die Studenten während ihren Praktika an Schulen machen, sind wichtig, keine Frage. Allerdings sollte die Uni sich Gedanken machen, ob die Art und Weise wie die Praktika durchgeführt werden, die Richtige ist.

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